Mama in Medellin

Wie ist es eigentlich so als deutsche Mama in Medellin zu leben und was ist der Unterschied zwischen dem Mama sein in Deutschland und dem Mama sein in Kolumbien? Gibt es überhaupt Unterschiede? All das könnt ihr in diesem Artikel lesen.

Mama in Medellin

Was ist es, was das Mama sein in Medellin vom Mama sein in München unterscheidet? Akzeptanz! Ich fühle mich in Medellin als Mama akzeptiert, egal wie alt ich bin oder wie alt ich aussehe. In München ist es mir oft passiert, dass fremde Leute mich angesprochen haben, weil sie wissen wollten wie alt ich bin. Sie fragten manchmal nicht einmal nach meinem Alter, sondern gingen direkt davon aus, dass ich viel zu jung und ungewollt Mama geworden bin.

„Sie sind ja eine ganz junge Mama!“

„Sie sind doch nicht die Mama von dem kleinen!“

„Wenn man so jung Mama wird wie sie war das bestimmt nicht geplant.“

Das und noch viel mehr musste ich mir von fremden Leuten in der U-Bahn, im Aufzug oder auf der Straße manchmal anhören. Ich musste mich ständig dafür Rechtfertigen warum ich Mama bin. Ich hatte ständig das Gefühl mich beweisen zu müssen. Alle diese Menschen hatten Vorurteile! Bis zu unserer Auswanderung hatte ich immer das Gefühl als Mama nicht anerkannt zu werden, weil ich noch unter 30 bin. Doch hier in Medellin begegnen mir die Menschen nicht mit Vorurteilen sondern mit Akzeptanz und Hilfsbereitschaft, sie begegnen mir mit Respekt und Höflichkeit. Ich lebe gerne als Mama in Medellin!  

Abgesehen davon gibt es natürlich noch andere Unterschiede.

Die Ernährung

In München wird sehr darauf geachtet Babys und Kindern eine ausgewogene und zuckerfreie/zuckerarme Ernährung zu bieten, es gibt eine riesige Auswahl! Vegetarisch, vegan, glutenfrei, laktosefrei… für jeden ist was dabei. Diese vielfallt fehlt mir hier sehr. Was man hier an frischem, unbehandeltem Obst und Gemüse bekommt wird mit Zuckerhaltigen Lebensmitteln wie Brot und Babybrei wieder vernichtet. Ich finde es sehr schade, dass sich hier nur wenige für eine ausgewogene Ernährung interessieren. Es ist das fehlende wissen über die Auswirkungen einer falschen Ernährung, das an die Kinder und deren Kinder weitergegeben wird. Ich habe bei meinem Sohn überwiegend selbst gekocht, jeder Brei wurde aus Frischen Obst, Fleisch oder Gemüse selbst gemacht. Da weiß ich ganz genau was drinnen ist! So werde ich es auch in Medellin weiterführen. Natürlich bekommt mein Sohn auch mal Schokolade, Gummibärchen oder ein Eis.😉

Die Familie

Die meisten Familien in Deutschland stehen sich nicht sehr nahe, zu den Eltern und Geschwistern hat man engen Kontakt doch zu Onkeln und Tanten, Cousinen und Cousins eher weniger. Jeder hat sein eigenes Leben getrennt voneinander und über Probleme wird im großen Kreis sowieso nicht gesprochen. In Kolumbien steht die Familie an erster Stelle, Cousinen und Cousins sind Freunde fürs Leben und Probleme werden gemeinsam gelöst. Ich muss sagen, dass das für mich eine sehr große Umstellung war und immer noch ist. Doch ich finde es sehr schön zu wissen, dass immer jemand da ist, dem dein Glück genauso wichtig ist wie sein eigenes.  

Die Erziehung

Ein Kind wird hier nicht nur von Mama und Papa großgezogen, die ganze Familie hilft mit. Wenn ein Kind sich falsch verhält wird es von der Person zurechtgewiesen, die danebensteht. Die Kinder bekommen Liebe und Unterstützung von den Großeltern, von Tanten und Onkeln, Cousinen und Cousins. Sie haben nicht nur die Eltern als Bezugspersonen, sondern die ganze Familie. Ich finde von diesem Zusammenhalt könnten sich so manche Deutsche Familien eine große Scheibe abschneiden.  

Die Schulbildung

Es gibt viele Gründe dafür, warum wir nicht wollten, dass unser Sohn in Deutschland zur Schule geht. Einer der Hauptgründe war, dass ich die Aufteilung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium schrecklich finde. Den Kindern wird mit 9 oder 10 Jahren beigebracht, dass die Kinder, die auf ein Gymnasium gehen besser und schlauer sind als die, die auf der Hauptschule sind. Ich bin kein Fan des Deutschen Schulsystems und wollte deshalb für meinen Sohn etwas anderes, etwas besseres. Das Schulsystem in Kolumbien bzw. in Medellin kommt dem in Amerika sehr nahe. Hier gibt es keine Aufteilung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Hier machen alle Kinder dieselbe schulische Laufbahn durch.  Das ist es was ich für meinen Sohn möchte! Er wird dieselbe schulische Ausbildung bekommen, wie alle anderen Kinder auf seiner Schule. Jeder macht denselben Abschluss! Das finde ich Klasse!

Die Kultur und Mentalität

Nichts geht über die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Deutschen, doch wenn es darum geht das Leben und den Moment zu genießen sind die Paisa wahre experten und ich liebe sie dafür! Ich habe früh gelernt Verantwortung zu übernehmen und immer an das zu denken, was morgen ist. Hier habe ich gelernt, dass es manchmal auch unglaublich gut tut nicht an das zu denken, was morgen ist, sondern einfach den Moment zu genießen. Morgen kann man sich immer noch Gedanken über Morgen machen.

Mama in Medellin

Wenn ich eins über das Auswandern und das „Mama sein“ im Ausland sagen kann dann das:

Du musst offen sein für ein neues Leben, eine neue Kultur und neugierig darauf sein sie kennenzulernen. Es gibt viele Vorteile dafür in seiner Komfortzone zu bleiben, aber noch viele mehr sie zu verlassen! Oder willst du dich irgendwann fragen, was wäre wenn…

Wenn dir der Artikel gefallen oder du selbst eine Mama im Ausland bist hinterlasse mir ein Kommentar mit deinen Erfahrungen. Ich freue mich darauf von dir zu lesen.

Victory

Teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.